Mittwoch, 16. Mai 2012

Die letzten Tage

Die Tour zum Cape Reinga startet recht früh. Genauer gesagt: im Dunkeln!




Die Fähre bringt mich zunächst nach Paihia, wo die Bustour startet. Neben mir ist noch eine Österreicherin mit auf der Fähre, die ebenfalls die Bustour macht. Wir kommen kurz ins Gespräch und stellen fest, dass wir wahrscheinlich von Auckland aus den gleichen Flug haben. Nur fliege ich von Melbourne weiter, während sie noch vier Monate dort bleibt.

Unsere Bustour, an der ca. 30 weitere Touristen teilnehmen, bringt uns von Paihia über Kaeo, Whangaroa, Mangonui und Cable Bay zum Ancient Kauri Kingdom. Der Kauri ist ein riesiger Baum in dieser Gegend und hier werden verschiedene Produkte dieses Baumes verkauft (z.B. Möbelstücke, die aufgrund der riesigen Größe der Bäume in einem Stück gefertigt werden können). So kostet die Holzcouch umgerechnet auch gleich mal 30.000 Euro! Sieht aber auch beeindruckend aus!

Von hier bringt uns der Bus zum Ninety-Mile-Beach, der in Wirklichkeit nur 56 Meilen lang ist. Das Besondere: wir fahren den kompletten Strand per Bus ab, teilweise auch im Wasser!







Nach einer Stunde Fahrt steigen wir aus und laufen am Strand lang. Plötzlich beginnt unser Fahrer, im Sand rumzugraben und Muscheln zu sammeln. Und manche der anderen Touristen öffnen diese und essen die noch lebenden Muscheln. Pfui Teufel, soweit kriegen die mich nicht. Mir ist jetzt noch schlecht, wenn ich daran denke...

Wir fahren weiter und kommen an einem riesigen Sandberg vorbei. Sandboarding ist hier geplant. Kurze Erklärung: Man läuft den Sandberg hoch, legt sich mit dem Bauch auf ein Brett (ähnlich Surfbrett), hält sich mit den Händen vorne fest, winkelt die Beine an und rutscht den Berg runter (ähnlich wie eine Wasserrutsche). Zunächst hält sich meine Lust dazu in Grenzen, da ich immer noch geschlaucht von der gestrigen Fahrt einfach nur im Bus rumsitzen möchte. Doch dann überrede ich mich selbst und bald stehe ich geschätzte 100 Höhenmeter weiter oben und bin an der Reihe. Schon komisches Gefühl, aber wird schon. Die Fahrt verläuft super, doch am Ende springe ich kurz und kann mich nicht mehr vorn am Brett festhalten und mich fegt es in den nassen Sand. Geile Fahrt, gleich nochmal. Die Sachen sind einmal dreckig, also kann ich das nochmal wiederholen. Bei der zweiten Tour fegt es mich schon vor der leichten Erhebung vom Board, doch beim dritten Mal klappt es. Die Haare, Hals und Kleidung sind voll mit Sand, aber das Vergnügen war es wert!

Weiter geht es zum Cape Reinga, dem (zweit)nördlichsten Punkt Neuseelands. Hier fließen Tasmansee und Pazifischer Ozean zusammen und es ist eine wirklich mystische Stimmung hier!



Zusammenfließen von Tasmansee und Pazifik



Der Leuchtturm vom Cape Reinga




Und auf zurück zum Bus auf dem fünfzehnminütigen Fußmarsch und ein Blick zurück:




Wirklich beeindruckend hier, ich komme mir hier wie am Ende der Welt vor.
Nach einem kurzen Mittagsstopp (14:30 Uhr!) folgt eine lange Busstrecke, auf der ich einnicke. Wir halten kurz nochmal am Ancient Kauri Kingdom und dies stimmt auf den letzten Stopp ein: den Kauri-Forest! Einige der Bäume sind 800-1000 Jahre alt und sie sind gewaltig.







Der 15-minütige Rundgang führt durch dichten Wald. Zurück am Bus ist es langsam dunkel geworden. Eine einstündige Fahrt liegt nun noch vor uns, bevor es mit der Fähre zurück nach Russell geht.

Ein ereignisreicher Tag!

Am nächsten Morgen regnet es in Strömen, doch Ron hatte mir schon am Vorabend angeboten, mich wieder zur Fähre zu fahren und abzuholen. Seine Gastfreundschaft ist einzigartig.
Heute steht eine Bootstour durch den Bay of Islands an. Eventuell sehen wir auch Delfine und Wale!
Sobald wir auf dem Wasser sind, hört es zu regnen auf, also super Bedingungen, da auch der Himmel aufklart.




Und die Delfine lassen nicht lange auf sich warten:




Sie lassen sich nicht mal von den vielen kreischenden Kindern verschrecken...;-)

Wenig später legen wir auf einer kleinen Insel an, auf der wir uns für eine Stunde die Füße vertreten können.










Die meisten Wanderwege sind aufgrund von Restaurierungsarbeiten gesperrt, wobei die Stunde trotzdem recht schnell verstreicht.

Von dort führt der Weg dann wieder Richtung Russell.

Nach einem ausgiebigen Gespräch mit Ron am Abend mache ich mich in mein Zimmer, um
meine Sachen schon etwas zusammen zu räumen. Dabei merke ich, das meine Kamera weg ist! Oh nein, nicht das als Abschluss meines Urlaubs. Ich krempele meine Sachen um, doch sie ist nicht zu finden. Ich hatte sie definitiv noch, als ich im Bus zur Cape Reinga Tour war. Doch zum Anrufen ist es zu spät, somit wird dies morgen der erste Akt sein.

Ich erhalte jedoch nur die Mitteilung, dass ich zur Fährstation kommen soll (wo ich sowieso hin
muss). Ich packe alles zusammen, frühstücke und verabschiede mich von Ron, dem ich die Story noch kurz erzähle. Auf dem Weg zur Fähre komme ich am Supermarkt vorbei, wo ich nach der Bustour noch kurz war. Doch eine Kamera wurde hier nicht gefunden. Auch ist keine in der Telefonzelle, von der ich Ron anrief. Auf der Fähre nach Paihia telefoniere ich mit Anne, die mir in dieser Situation Mut macht. Und nun bin ich da: an der Fährstation in Paihia. Die nette Frau an der Auskunft muss mich aber enttäuschen, es wurde nichts abgegeben. Mein geknickter Eindruck zündet in ihr noch eine letzte Hoffnung. Sie ruft an dem Ort, wo die Busse gereinigt werden, an. Zwischendurch fragt sie, welche Marke meine Kamera hat, worauf ich entgegne, sie sei von Olympus. Und dann sagt sie nur zu der Frau am Telefon: "Seems like we've got the owner right here!". Und ich denke nur, was ich für ein außerordentliches Glück habe, der Urlaub ist gerettet! Wenig später kommt ein Mitarbeiter vorbei, der mit dem Auto zu dem Ort der Busreinigung fährt, um die Kamera abzuholen.




Ich bin überglücklich, zumal mein Bus auch erst in 45 Minuten fährt und dies gut ausreicht, damit mein freundlicher Helfer die Kamera noch vorher abholen kann!

Mit Kamera, Fahrrad und Kaffee stehe ich zufrieden an der Haltestelle und warte auf den Bus. In dem Moment kommt eine Frau zu mir, die mein Fahrrad betrachtet. Ich frage sie, ob sie Interesse daran hat. So kommen wir hier ins Gespräch, was bis zur Ankunft in Auckland nicht wieder abreißen wird. Sie macht mit ihrem Mann auch Fahrradurlaube, im Sommer sind 3.000 km in der Schweiz und Frankreich geplant. Und sie hat schon an unzähligen Orten auf der Welt gelebt, ihr Haus ist allerdings in Perth in Australien. Wir unterhalten uns die vier Stunden bis Auckland über Fahrradtouren, Neuseeland, ihren Beruf ("one big holiday"), unsere Reisen und vieles mehr. Und ich erfahre noch so einiges über das Northland. Ein tolles Gespräch, die Zeit war rum wie im Flug.

In Auckland bin ich wieder in der Freeman's Lodge untergebracht. Dort stelle ich all meine Sachen ab, ehe es nochmal ins Stadtzentrum geht.

Morgen gebe ich das Fahrrad am Flughafen ab und dann geht's ab in den Flieger! Ich freue mich riesig auf zu Hause, kann es kaum erwarten, anzukommen!

Ich danke allen, die es mit dem Blog bis hierhin geschafft haben. Ich plante zu Beginn, nicht viel schreiben zu wollen, um eventuelle Leser nicht mit zu viel Text zu überschütten. Doch habe ich die Erinnerungen mehr und mehr für mich aufgeschrieben, um eine tolle Zeit so genau wie möglich festzuhalten. Es war nicht immer leicht, sich nach den Touren nochmal hinzusetzen und zu schreiben, doch meine Motivation, alles schwarz auf weiß zu haben, aber auch, dass ich wusste, das einige den Blog verfolgen, führte dann zu einem großen Spaßfaktor beim Schreiben. Vielen Dank für jede SMS, jeden Kommentar und jede eMail! Und natürlich für Skype und Telefon!

Bis bald,
Paul

Position:Starbucks, Auckland

1 Kommentar:

  1. Mein Paul,
    das war ein toller Blog und ich danke dir für jede Zeile, in der ich mitlesen durfte, wie es dir geht und was du gerade machst. Nun bin ich aber froh, dich endlich bald wieder zu haben.
    Nur noch 54 Stunden!
    Deine Anne

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