Sonntag, 8. April 2012

Update: Chess in Wellington: Tag 3

Heute geht es gegen Michael Steadman. Aus dem Internet erfahre ich, dass er als Kind mit Schach angefangen hat, sich dann aber eher dem Rugby gewidmet hat. Von der Statur muss dies stimmen, ich hätte jedoch eher auf Bodybuilder getippt...:-)
Irgendwann kam er wieder zum Schach und derzeit ist er Neuseelands Landesmeister (Anthony Ker, mein Drittrundengegner ist also derzeit kein Landesmeister, hat diesen Titel jedoch am häufigsten gewonnen).
Hier der Artikel: http://m.nzherald.co.nz/sport/news/article.cfm?c_id=4&objectid=10781857
Zur Vorbereitung: Hier hab ich mich ausschließlich, dafür ausgiebig auf Französisch vorbereitet. Mein Gegner spielt dies in 99% der Fälle. Die anderen Varianten lasse ich unter den Tisch fallen, was mir wiederum später gehörig auf die Füße fällt.
Die Kurzpartie:
Zwahr, Paul (2343) - Steadman, Michael (2230)




1.e4 c5
Ok, Vorbereitung mal wieder für die Katz!
2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 a6
Ach ja, die Nebenvarianten... Diesen Zug hab ich noch nie gesehen und jetzt ist dummerweise auch noch Selber-denken angesagt. Weit hat's nicht geführt...
7.f3 b5 8.a4 b4 9.Sa2 e5 10.Sb3 d5
Hier beginne ich, mich zunehmend unwohl zu fühlen. Mein Gegner zieht weiterhin schnell, ist vielleicht doch noch nicht so viel schiefgelaufen!?
11.exd5 Sbd7 12.a5 Lb7 13.Lc4 Tc8 14.De2 Sxd5 15.Ld2?? Dh4+
0-1
In mir versinkt gerade alles, denke kurz nach und reiche meinem Gegner die Hand zur Aufgabe. Ich stell mein ganzes Eröffnungswissen in Frage, doch Michael lässt mir dazu nicht viel Zeit und fragt mich, ob wir uns die Partie anschauen wollen. Nach Niederlagen bin ich meist recht unzugänglich, will mit der Welt nichts mehr zu tun haben und nur noch meine Ruhe. Der einzige, von dem ich mir dann noch etwas sagen lasse ist die Rechenmaschine. Doch diesmal sitzt der Schock so tief, dass ich in einer Mir-ist-jetzt-alles-egal-Stimmung bin und die Qual der Analyse mit demjenigen, der dir gerade eine runtergehauen hat, einfach über mich ergehen lasse.
Wer weiß, wozu es gut ist...
Michael ist ein sehr netter Mensch, auch sein Englisch ist im Vergleich zu dem vieler Neuseeländer gut zu verstehen. Er sagt, dass 9.a5 wohl nicht gut ist. Mit der Zeit regeneriert sich mein Gemütszustand und es ist ein gutes Gespräch. Wir tauschen uns über Schach, Rugby und meine Tour aus. Als ich ihm erzähle, dass meine Reise in Auckland enden wird, bietet er mir an, dass ich bei ihm und seiner Familie wohnen kann, wenn ich das Backpackerdasein satt habe...
Also war die Entscheidung der Analyse vielleicht doch keine so schlechte Idee...
Nun hab ich bis zum Start der nächsten Runde noch einiges an Zeit, so gehts zu einem kurzen Spaziergang und einem Cappuccino:




Die sechste und letzte Runde bringt mir mit John McDonald (Elo 2047) einen schlagbaren Gegner. Die Vorbereitung kommt jedoch wieder einmal nicht aufs Brett...
Zwahr, Paul (2343) - McDonald, John (2047)




1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 g6 4.f4 Lg7 5.Sf3 0-0 6.e5
Das ist mir noch nie passiert. Ich spiele diese Variante schon jahrelang und weiß, dass man hier 6.Ld3 und erst nach 6... Sc6 7.e5 zieht. Doch während der Partie schien ich wohl einen Blackout zu haben. Ein Glück ist dies die letzte Partie...;-)
6... Sd7 7.Lc4 c5 8.e6 Sb6 9.exf7+ Kh8 10.Ld3 Lg4 11.d5 S8d7 12.Le2 Lxf3 13.Lxf3 Txf7 14.Se4 h6 15.h4 Sf6 16.h5 gxh5 17.Lxh5 Tf8 18.Sg5 Dd7 19.Lf3 Da4 20.Se6 Dc4 21.b3 Dc3+ 22.Ld2 Db2 23.Tb1 Da3 24.c4 Tf7 25.Dc2 Sd7 26.Lc3 Kh8 27.g4 Se8 28.Dg6 Sf8 29.Sxf8 Kxf8 30.Lxg7+ Txg7 31.Dc2 Db4+ 32.Ke2 Sf6 33.Txh6 Ke8 34.g5 Sg8 35.Te6 Kd7 36.Th1 Tf8 37.Ke3 b5 38.Le2 Tgf7 39.Te4 bxc4 40.Txc4 Db7 41.De4 Kd8 42.De6 Da6 43.Lg4 Db7 44.T1c1 Tg7 45.Tb4
1-0
Damit geht ein Turnier mit vielen Höhen und Tiefen zu Ende. Es war richtig cool, hier mitzuspielen, doch vom schachlichen Aspekt ist es gut, dass es vorbei ist. Letzten Endes sind es 4 Punkte aus 6 Partien geworden, das dürfte so Platz 5 sein. Die Elozahl wird wieder etwas zurückgehen, nicht viel.
Noch ein Bild von den beiden Siegern:




Scott Wastney und Ross Jackson, beide mit 5 Punkten aus 6 Partien.

Die vollständigen Ergebnisse inklusive der Partien findet sich hier:
http://chess.wellington.net.nz/easter.html

Morgen gehts weiter nach Turangi. Nach Meinung von Alan aus Nelson und meinem Fahrradführer soll man aus Wellington raus lieber den Bus oder den Zug nehmen, zu viel Verkehr. Ist gebongt. In Turangi wartet dann eine der bekanntesten Wanderungen auf mich: Turangi Crossing.
Ursprünglich war geplant, die Bustour, Wanderung und erste Fahrradtour von Turangi nach Taupo zusammen mit Annick und Sarah zu machen. Doch die beiden haben wohl die Feiertage durcheinander gebracht und sind schon heute nach Turangi. Na ja, ich werde den beiden sicher nochmal begegnen...

Position:Wellington City Center

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